Christian Kracht

Iskender Yediler und die tatarische Tür

Eines Tages, vor vielen Jahren, schellte es an der Tür meines Hauses in Bangkok. Ich mache auf und dort stand ein Mann, dessen Alter und Herkunft schwer einzuschätzen war. Er sagte, sein Name sei Iskender und er wolle nun bei uns wohnen, da er Künstler sei und hier in Bangkok zu tun habe. Ich bat ihn herein, er zog sich die Schuhe aus, berührte mit der Hand sanft den Rahmen unserer Haustür, verbeugte sich leicht, trat in die Küche und wir tranken zusammen mehrere Biere. Er wusste zu erzählen, ja, von einem kam er ins tausendste; er stelle gerade mannshohe Fliegenpilze aus Fiberglas her, eigentlich sei er Tatare, aus einem Stamm, der nun wieder in der Krim ansässig war, in der Ukraine. Stalin habe damals alle Familien zwangsdeportiert, nun kehrten nach der Auflösung der Sowjetunion die Tataren zurück.

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Jeff Wall

Frei wie der Wind

“Frei wie der Wind”, sagt das Sprichwort. In gewisser Weise trifft dieser Gedanke auf Iskender Yediler’s aufblasbare Skulpturen zu. Yediler behauptet, daß er anfing, ‘Inflatables’ herzustellen, weil er nicht genügend Lagerraum hatte und die aufblasbaren Skulpturen ihm eine Lösung für dieses Problem boten. Ich habe diese Bemerkung insofern als wahr gedeutet, als sie in jener leicht hämischen, selbst-ironischen spezifisch Kölner Art formuliert wurde, die in den Kreisen um Martin Kippenberger so verbreitet war.

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Stefan à Wengen

Iskender Yediler – Allmüll

Während im Mittelalter und zu Luthers Zeiten der Affe noch als Teufelstier galt, ist er seit der Renaissance zur Allegorie der Kunst, respektive zum Künstler nobilitiert. Doch fangen wir von vorne an: Die Geschichte beginnt vor vier Millionen Jahren, als eine Gruppe Affenmenschen mit einem schwarzen, geheimnisvollen und wie aus dem Nichts aufgetauchten Monolithen konfrontiert wurde. In einer der eindrucksvollsten Szenen der Filmgeschichte schleudert der nun neu entstandene homo faber einen Knochen, mit dem er zuvor den Anführer einer fremden Gruppe erschlagen hatte, triumphierend gen Himmel.1

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